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Dr. Motte - Artists | Retro Acid

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Dr. Motte


References: Originator of LoveParade Berlin, Praxxiz rec - Berlin

Dr. Motte

Kaum ein Mensch hat die Technoszene so entscheidend geprägt und verändert, wie Dr. Motte. Er ist Phantast und Visionär, Botschafter der elektronischen Musik weltweit. Sein Sound ist anspruchsvoll, energiegeladen und vielschichtig. Mitreißende Club-Groves verbindet er mit treibenden Techno-Beats und macht somit den musikalischen Underground zugänglich für ein weites Publikum.

„Wer Musik auch als soziale Verantwortung einer Kultur versteht, ist und bleibt progressiv!“ (Dr. Motte)

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Bis ins Jahr 1989 führte Matthias Roeingh ein relativ unauffälliges Leben. 1960 in Spandau geboren, tingelte er durch die Szene, blieb von 1981 – 1984 bei den “Toten Piloten”, einer Berliner Punk-Band hängen, bevor ab 1985 zwei Plattenspieler und ein Mischpult an die Stelle von Gitarre, Bass und Schlagzeug traten.

Die Dance-Szene war Mitte der 80er klein und wurde von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Vom Massenphänomen der 90er war noch nichts zu spüren. Ihren Anhängern ging es nur um die elektronische Musik und das Erkunden neuer musikalischer Entfaltungsmöglichkeiten. 1989 entsprang diesem Zeitgeist eine kühne Idee, die gesamte Musikgeschichte verändern, und Dr. Motte als einen Teil von ihr unsterblich werden lassen sollte.

Freunde, die regelmäßig Underground Parties in England besuchten, berichteten Dr. Motte von dem drastischen Vorgehen der britischen Polizei gegen diese Veranstaltungen. Im großen Stil wurden diese aufgelöst und Soundsysteme beschlagnahmt. Doch die Partycrowd ließ sich davon nicht aufhalten. Zu Musik aus Ghettoblastern tanzten die Menschen auf der Straße weiter.

Inspiriert von diesem Bild überlegte Dr. Motte, wie er diesen Spirit nach Berlin holen konnte. Die Lösung war so simpel wie grandios: eine Demonstration – zur Darstellung der Gegenwartskultur der elektronischen Tanzmusik. Unter dem Motto “Friede, Freude, Eierkuchen” folgten 150 Musik- und Tanzbegeisterte am 01.07.1989 dem Aufruf zum Kurfürstendamm.

Danach war nichts mehr wie zuvor. Elektronische Tanzmusik wurde zur wichtigsten Jugendbewegung der 90er Jahre, die Loveparade zu ihrem Aushängeschild. Für diesen einen Tag im Jahr löste die Loveparade alle Grenzen auf und trug über die Jahre hinweg maßgeblich zur nationalen, aber auch zur internationalen (Wieder-)Vereinigung bei.

Deutschland, dessen Ruf noch massiv durch den Zweiten Weltkrieg und der Teilung geschädigt war, wurde plötzlich ganz neu wahrgenommen: weltoffen, fröhlich, jung! Berlin wurde sexy!

Die Zahl der Besucher wuchs binnen weniger Jahre so stark an, dass die Loveparade 1995 aus Platzmangel zum letzten Mal auf dem Ku’damm stattfinden konnte und danach auf das weitläufige Areal der Straße-des-17.-Juni umziehen musste. 1999 brach die Loveparade alle bisherigen Rekorde. Dr. Motte begrüßte zu seiner legendären Rede zur Abschlusskundgebung rund 1,2 Million Raver aus aller Welt an der Siegessäule.

Trotz des überwältigenden Erfolges der Loveparade blieb Dr. Motte immer dem Underground zugetan. Von der zunehmenden Kommerzialisierung blieb er weitestgehend unberührt. Als im November 2005 die Marke “Loveparade” an den Betreiber einer Fitnesskette verkauft werden sollte, wehrte er sich zunächst dagegen. Als einer von fünf Gesellschaftern der Loveparade Berlin GmbH wurde er jedoch überstimmt, lenkte schließlich ein und verzichtete auf sein Veto-Recht, um den “Feiertag der elektronischen Musik” für die Menschen zu erhalten. Andernfalls hätte die Loveparade Gründen der drohenden Insolvenz und Unfinanzierbarkeit damals bereits ein Ende gahabt.

Nach der ersten Parade unter neuer Führung im Sommer 2006 zeigte sich für Dr. Motte jedoch, dass diese Entscheidung ein Fehler war. Die idealistischen Inhalte und Ziele, für die er sich immer stark gemacht hatte, blieben nun gänzlich auf der Strecke. Deshalb distanzierte er sich öffentlich von der Loveparade und ihrem neuen Eigentümer.

In den Jahren danach wurde es ruhiger um den “Vater der Loveparade”. “Dr. Motte” jedoch tourte als DJ über den gesamten Globus. Er spielte auf allen großen Fesivals und in allen bedeutenden Clubs der Welt, war als Repräsentant der deutschen, elektronischen Musik vom Goethe Institut München in Kooperation mit dem Auswärtigen Amt Berlin zur “Deutschlandprommenade” in Nanjing (Ostchina) eingeladen, setzte sich für verschiedene Initiativen ein ein, wie z. B. “Laut gegen Nazis”, “Freiheit statt Angst” u. v. m.

Im Januar 2011 gab er den Startschuss für eine eigene Initiative. Am 31.03.2011 gründete Dr. Motte, gemeinsam mit 44 weiteren Kunst- und Kulturschaffenden der elektronischen Musikszene in Deutschland electrocult_e.V. – Verein zur Förderung, Pflege und Darstellung der elektronischen Musik- und Clubkultur, sowie des damit verbundenen Lebensgefühls. Als gewählter Ehrenvorstand setzt er sich für die Anerkennung der elektronischen Musik als immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe ein.